Fecker und Jenische im Schwyzerland – ein ausgestorbenes Völkchen
Oftmals gehänselt und durch ihre Originalität immer aufgefallen, doch der Allgemeinheit nie wirklich zur Last gefallen: die Schwyzer Fecker. Über ihre Lebensweise gibt es heute noch sehr viel zu erzählen

Arme Menschen ohne ein Dach über dem Kopf gibt es heute eigentlich keine mehr. Väterchen Staat hat in den letzten Jahrzehnten sein Sozialsystem sukzessive ausgebaut. Randständige wie Bettler, Behinderte und ‚Herumziehende’ wurden in die Gesellschaft integriert und gehören fest dazu. Doch das war nicht immer so! Bis vor wenigen Jahrzehnten noch ‚kämpften’ viele Individuen mangels staatlicher Hilfe ums nackte Überleben. Zu ihnen gehörten die Fecker, auch Jenische genannt. Sie sind hervorgegangen ursprünglich aus Marktfahrern, die dem Stör-Handel und -Handwerk nachgingen. Ob als Scherenschleifer, Korber, Schuhnestelverkäufer oder Pfannenflicker, aber auch als Bettler - sie suchten ihr Einkommen auf ihre Art. Dennoch, ‚dank’ staatlicher Hilfe gibt es sie heute nicht mehr. Ganz im Gegensatz zu den Zigeunern der Volksgruppen Roma und Sinti.

Von Peter Rickenbacher

Es war einmal eine Zeit, da kannte der Staat noch nicht ein so ausgeprägtes Fürsorgeverhalten gegenüber dem Bürger wie heute im Jahr 2005. Bei einer Bevölkerungszahl von rund 7 Millionen Einwohner sind aktuell rund 300'000 Menschen in der Schweiz ganz oder teilweise von der Sozialhilfe abhängig. Kantone und Gemeinden geben für sie pro Jahr rund drei Milliarden (= 3'000'000'000!) Franken aus. Diese Besserstellung der Situation (Überlebenshilfe) für die Bevölkerung wurde mit dem konjunkturellen Aufschwung in ganz Europa seit Kriegsende Jahr für Jahr ausgebaut. Alle Menschen, die irgendwie ‚aus der Gesellschaft tanzten’, wurden in den Schoss von ‚Väterchen Staat’ (lies Gemeinden) genommen. Ein Kapitel davon ist die unrühmliche Aktion ‚Kinder der Landstrasse’. Herumziehenden wurden - durch die staatliche Hand - Kinder weggenommen und in ‚normale, bürgerliche Familien’ gesteckt. Sukzessive wurden auf diese Weise ganze Volksgruppen dezimiert. So auch Fecker, das sonderbare Grüppchen der herumziehenden ‚Überlebenskünstler’.

Ein typischer Fecker…
Es ist noch recht schwierig, den Typus Fecker zu umschreiben. Am ehesten passt die Bezeichnung „herumziehender, mittelloser Händler/Tagelöhner mit einer besonderen Lebenseinstellung. Überlebenskünstler“. Ganz typisch an ihnen war, dass sie der Allgemeinheit durch ihr Verhalten nicht wirklich zur Last fielen. Sie waren auf ihre Art ‚Selbstversorger’, lebten von der Hand in den Mund, waren keine Sozialhilfeempfänger und hatten konsequenterweise keine Ersparnisse auf der Seite. Sie hatten ‚Tradition’ und das ‚Fecker-Gen’ in sich, wie sie in den vielen Gesprächen mit ‚Zivilisierten’ immer wieder bekräftigten! Weiter zeichnete sie aus, dass sie keiner geordneten Arbeit nachgingen (nicht wollten!), nirgends angemeldet und auch nicht sesshaft waren. Heiden waren die Fecker aber nicht! Sie gehörten meist einer unserer Landesreligionen an. Bei ihnen gab es auch keine heidnischen Bräuche wie die Wahrsagerei oder das Handlesen, welche bei Zigeunern dagegen sehr populär sind.

Fecker und Zigeuner - zweierlei paar Schuhe!
Im grossen Unterschied zu den uns heute bekannten Zigeunern - die mobilen Fahrenden - waren die uns in Erinnerung haftenden Fecker-Originale eben keine Zigeuner! Auf diese Unterscheidung waren ‚unsere’ Fecker immer sehr erpicht. Erklärend wirkt deren Herkunft: die Zigeuner wanderten vor rund 1000 Jahren aus Indien nach Europa ein. Ihre Nachfahren bilden noch heute ein Minderheitsvolk, welches von diesen Einwanderern abstammt. Zur Hauptsache leben diese heute vom Handel mit allerlei Ware und der Anwendung erwähnter heidnischen Bräuche. Die Fecker oder Jenischen hingegen dürften, so verschiedene historische Quellen, aus sozial entwurzelten Elementen der sesshaften Bevölkerung entstanden sein. Sie werden als Volk wahrgenommen, stellen aber keine Rasse dar. Ihren Ursprung hatten sie alle mehr oder weniger im Mittelalter. Wegen den Regeln der damaligen Marktordnungen entstand das Hausiererwesen. Erst in den Städten, dann auf dem Lande. Man muss sich dazu in die Zeit vor der grossen Mobilität zurückdenken: als es noch keine Autos gab, versorgten Hausierer die Familien mit allerlei Nützlichem wie Zündhölzer, Seife, Mercerieartikel und dergleichen. Oder dann betätigten sie sich als Stör-Handwerker vor Ort und erledigten kleinere Reparaturen an Hausrat-Artikeln wie Pfannen oder Körben.

Rastende Zigeunergruppen, umherziehende Fecker
Im Gegensatz zu ‚unseren’ Feckern zogen und ziehen Zigeuner noch heute meistens in grösseren Gruppen durch den Talkessel Schwyz. Mit ihren Planwagen und in der neueren Zeit in mobilen Wohnwagen beleg(t)en sie verschiedene Stand- und Rastplätze; in Seewen das Areal vor der Badanstalt, dann beim Seemattli und auch im Kiessammler Nietenbach. In Ibach waren Plätze im Eschwäldli beim Schiessstand oder auf dem Tänsch bei der Muota beliebte Aufenthaltsorte. Praktischerweise meist an Gewässern. Die Fecker hingegen zogen – meist zu Fuss – alleine oder in Kleinstgruppen umher. Ihre Nachtreviere bezogen sie in Ställen, Scheunen, Hüttli und Schöpfli am Rande der Zivilisation. Höchst selten waren sie in Dorfzentren anzutreffen. Auch ihr ‚Tätigkeitsgebiet’ war örtlich klar definiert; sie hatten ihr festes Rayon innerhalb einiger Quadratkilometer. Zu bestimmten Zeiten durchstreiften sie die immer gleichen Landstriche. Manchmal setzten sie an Bäumen oder Latten besondere Zeichen, um ihresgleichen anzuzeigen, wo die Lebensqualität gut oder wo sie schlecht war.

1851 eingebürgert
‚Unsere’ Fecker der ‚letzten Generation’ waren vielfach allein-stehende Junggesellen. Durch ihre Erscheinung waren sie äusserlich schon von weit her erkennbar: Fecker trugen eine spezielle ‚Aaleggete’. Die Bekleidung war ausgetragen, abgeschossen, immer die Gleiche (Kleider-Geschenke nahmen sie dankend entgegen…um daraus sogleich wieder ‚Bares’ zu machen). Kurzum, sie kamen in Lumpen daher. Dazu trugen sie schwere Schuhe und im Mund – eine meist selbst gedrehte Zigarette. Da diese Menschen eher dem Alkohol zugeneigt waren (ihre Ernährung bestand vor allem aus Most und Schnaps, Brot und Speck), war auch ihr Gang dementsprechend oftmals sehr speziell… Doch – man respektierte sie, einfach auf eine andere Art! Schliesslich waren sie Landsleute. Alle hatten einen Bürgerort.
Diesen erhielten sie 1851 vom Bund. Mit einer Verordnung zur Integration der Fahrenden im Jahre 1851 auferlegte der Bund allen Feckern – auch den Zigeunern – einen Bürgerort mit dem Ziel, die Eingliederung der Heimatlosen in die bürgerliche Gesellschaft zu forcieren. Bürger wurden die Fecker an jenem Ort, wo sie sich gerade aufhielten. Fecker hatten somit plötzlich auch Bürgerrechte. Das war in ‚alten Fecker-Tagen’ von Nutzen, wenn es um den Bezug eines Armen- oder Altersheimes ging!

Sonderbare Verständigung untereinander
Ein spezielles Thema ist, wenn man von Feckern spricht, deren Sprache. Es ist eine Sondersprache, wie etwa auch das ‚Matten-Englisch’, das heute noch in einem Quartier der Bundesstadt gepflegt wird. Für verschiedenste Begriffe hatten die (Schwyzer) Fecker spezielle Ausdrücke. Diese variierten regional. Im Kaltbach und im Engiberg Seewen beispielsweise, aber auch etwa in Brunnen wurde noch bis in die 1970er Jahre auch von einheimischen (Kindern) die Sprache abgekupfert bzw. verwendet. „Tha di da dis ga dit!“ heisst etwas soviel wie wörtlich „Das Tee (im vorstehenden Tassli) das isch guet!“ (Der Tee, der schmeckt gut!). Für die Bevölkerung war die Feckersprache eine Geheimsprache; man verstand sie nicht, schon gar nicht ‚die Oberen’ und ‚Studierten’. In gleiches Kapitel gehört die Sprache der Zigeuner. Auch diese pflegten (und pflegen heute noch) eine Sondersprache. Für viele uns vertraute (Deutsch-)Wörter verwendeten und verwenden sie noch immer ihre eigenen Begriffe. In gleiches Kapitel gehört die Verständigung mit Zeichen, welche sie an Häusern, Schuppen oder Bäumen anbrachten, um somit den nächsten Vorbeiziehenden über zu erwartende Arbeit und Verpflegung oder über „Nicht-Willkommen-Sein“ zu informieren.

Scherenschleifer und Schirmflicker
Dem Staat fielen die Lebenskünstler grundsätzlich nicht zur Last. Sie mieden möglichst den Kontakt zu den Behörden und Ämtern und besonders jener zur Polizei, welche sie ‚Landjäger’ oder ‚Schroter’ nannten. Für jeden einzelnen Fecker zählte nur die Freiheit. Auf keinen Fall wollte man durch die Polizei aufgespürt, der Staatsmacht ausgeliefert und abhängig gemacht werden. Trotzdem ging die Behörde immer wieder gegen die Fecker vor. Sie passten halt einfach nicht ins Gesellschaftsbild. Auch der Kanton Schwyz bildete keine Ausnahme. Noch im 19. Jahrhundert führte dieser ein rigoroses Kontrollwesen über alle Fecker. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie zwar alle selbst, ohne dabei eigentlich kriminell zu werden. Ein wenig Geld verdienten sie mit hausieren (und dem damit verbundenen Kleinsthandel). Praktisch alle verfügten über das Hausiererpatent. Sie hausierten mit Zündhölzer, Schuhnestel, flickten Schirme, verzinnten Pfannen, korbten, schliffen Scheren und Messer, glasten oder sammelten Lumpen. Kam an den Haustüren kein Geschäft zustande, dann folgte vielfach die Frage „Gueti Frau, daf ich defür äs Schnäpsli haa?“ Ja, mit dem Arbeitsfleiss war es so eine Sache. Oft boten die Fecker ihre Dienste als Taglöhner an, als Burdelimacher, Baumkratzer, Klauenschneider, Mauser oder Allround-Arbeitskraft auf dem Bauernhof. Nicht selten wurde eine ‚Vorauszahlung’ verlangt, ohne im Gefolge die auferlegte Arbeit auch auszuführen… Auch gebettelt wurde viel! Bevorzugte Ware war ‚verarbeitete’ Tranksame wie Most und Schnaps, die unter grosser Verdankung gerne entgegengenommen wurde. Auch ‚gmusiged’ wurde - gegen entsprechende Entlöhnung in Naturalien. Gestohlen wurde grundsätzlich nichts – höchstens etwas zuviel mitgenommen… Das ergab sich dabei oft aus der Situation. Wer wusste schon, was alles eigen war, wenn er am Morgen in einem Gaden, in einem Heuschober, einem Euschli oder einem Schopf erwachte, um sich wieder an die Meisterung des Tages zu machen? Übernächtigt wurde auch sehr viel unter Bäumen und generell in gottfreier Natur. Im Winter bevorzugten die Fecker dann eher einen Futterbarren in einem warmen Stall oder den Heustock in einer Schüür. Dies war eigentlich recht praktisch; denn die Morgentoilette verrichteten die ‚Naturmenschen’ in den dafür bestimmten Gräben. In die Ställe durften die Fecker aber – und das war die strikte Auflage der gastgebenden Bauern – nur unter Einhaltung des Rauchverbotes!

Ibach – die Feckerstadt
Fast ein regionales Zentrum der Fecker war Ibach. Unter der grossen Brücke über die Muota waren fast das ganze Jahr über immer ein, zwei Fecker anzutreffen. Auch etwas weiter flussabwärts auf dem Tänsch, oder dann flussaufwärts beim Sandsammler hatte es immer wieder Fecker und mobile Zigeuner. Das trug der Schwyzer Filiale den Begriff ‚Feckerstadt’ ein. Noch heute hört man den Satz: „Ibach ist eine schöne Stadt, weil es so viele Fecker hat.“ Für viele Ibächler tönt das nach wie vor fast beleidigend. Andere hingegen freuen sich über die Bezeichnung, weil sie irgendwie ein bisschen Lebensfreude ausdrückt. Dass sich die Fecker aber gerade in Ibach gerne niederliessen, hatte einen praktischen Grund. Für eine ihrer Hauptarbeiten, das Korberhandwerk, brauchten sie Weiden. Und dieses gab es entlang der Muota in Hülle und Fülle; übrigens auch entlang des Nietenbachs und an den Ufern des Lauerzersees.

Ende des Feckertums
Gründe, weshalb es heute keine Fecker mehr gibt, deren gibt es viele. Sie alle sind im Allgemeinen im Fortschritt unserer Gesellschaft entsprungen. Einer der Hauptgründe findet sich im Aufkommen fester Verkaufsläden im 20. Jahrhundert. Das schmälerte zusehends das Warenangebot des auf der Stör arbeitenden Feckers. Dann war wie erwähnt der Druck der Gesellschaft auf die Fahrenden, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Die Behörden unternahmen grösste Anstrengungen, die Fahrenden in eine sesshafte Bevölkerung umzuerziehen. Den letzten Stoss aber setzte die Nachkriegszeit. Da waren zum einen plötzlich die Grossverteilerzentren mit ihrem billigen Warenangebot, aber auch die zunehmende Mobilität der Landbevölkerung, die so nicht mehr auf das Angebot der fahrenden Händler angewiesen war.
Die Fecker ‚heute’ sind fester Bestandteil der Gesellschaft – müssen es sein, da die Familien ja recht kinderreich waren und sukzessive sesshaft wurden. Es deutet nichts mehr auf ihren Ursprung hin, ausser vielleicht der Familienname. Eine Schande jedenfalls ist es heute gewiss nicht, Feckerblut in den Adern zu haben. Schon eher müsste man das Wort Stolz in diesem Zusammenhang erwähnen, gehörten die Fecker doch einer ganz speziellen gesellschaftlichen Minderheit an...

Anekdoten

Durch ihren sonderbaren Lebensstil lieferten die Schwyzer Fecker natürlich allerlei Stoff für Anekdoten. Eine schöne davon lieferte Badisteli. Da war er einmal mit dem Zug unterwegs von Steinen nach Seewen, an der Leine seine Hündin, den Rucksack aufgeschnallt. Im Zug begann die Hündin zu jüngeln (werfen). In Seewen verliess Badisteli mit Hund den Zug, die zwei kleinen Welpen bereits im Rucksack verstaut. Das Etappenziel hiess Restaurant ‚Bahnhöfli’. Dort führte die Hündin ihre Vermehrung mitten im Restaurant fort. Die Wirtin war entsetzt. Badisteli antwortete trocken: „Irma lass – das isch d’Natur.“

Auch über André Graf existiert eine schöne Geschichte. Da er in jungen Jahren in der Fremdenlegion diente, erhielt er im Alter eine Rente. Das wussten viele nicht. Kurz vor seinem Ableben äusserte er, dass er noch ‚viel Kies’ bei einer Bank angelegt habe. Auf dem Sterbebett wurde der Beschluss gefasst, eine ‚Foundation André Graf’ zu gründen, eine Stiftung mit dem Ziel, mit dem Vermögen jedes Jahr den männlichen Bewohnern eines Schwyzer Altersheimes einen Gratis-Schnaps zu finanzieren, den Frauen dagegen ein Stück Kirschtorte aufzutischen.

Zum schmunzeln auch die Verabschiedungsworte der Gebrüder Wyss, wenn sie einer ‚Beiz’ den Rücken kehrten: „Gebrüeder Wyss, Ibach-Schwyz, Chorbflickerei, Verzinnerei – guet-Nacht-mitenand!“ Oder dann folgenden Kurzdialog zwischen Sepp und Toni Wyss nach der Verwendung von 20 ‚verdienten’ Franken. Schlug Sepp vor: „Mier chaufid für 19 Franken Branz (Schnaps) und für ne Franke Brood.“ Da meinte Toni: „Ja, meinsch hemmer dä nid zvill Brood!“

Fecker-Chilbi in Schwyz und –Treffen in Gersau
Als ‚Hommage’ an das fröhliche, in der Realität aber oftmals sehr triste Fecker-Dasein wurde in Schwyz in den Jahren 1983 und letztmals 1988 während der Fasnacht ein grosses Fecker-Treffen durchgeführt. Zahlreiche Personen und Persönlichkeiten aus nah und fern verkleideten und schminkten sich als Imitationen der ‚Fecker-Originale’, bauten mitten im Dorf Rastplätze auf und gewährten dem erfreuten Publikum Einblicke in den Fecker-Alltag. Kurzum, die ‚Bürgerlichen’ flüchteten für einen kurzen Moment aus dem Alltag weg in die ihrer Meinung nach romantische Traumwelt der Fecker.

In der altfryen Republik Gersau hingegen ist es heute noch so, dass am Tag vor Auffahrt ein ‚Fecker-Treffen’ - treffender wäre die Bezeichnung ‚Zigeuner-Treffen’ - stattfindet. Das erste hatte – nach einem jahrelangen Unterbruch - seine Wiedergeburt 1986, das letzte fand 2004 statt. Organisator ist ein OK um den Bezirk Gersau sowie die Radgenossenschaft der Landstrasse (Präsident Robi Huber). Im Gegensatz zu den letzten Fecker-Chilbinen in Schwyz ist der Anlass ein Fest der Zigeuner. Gersau gewährt allen Fahrenden während dreier Tage im Jahr Gastrecht. Das rührte aus der geographischen Lage des Dorfes am Vierwaldstättersee. Jahrzehntelang war es eine Art Versteck für etwaige straffällige Fecker gewesen, die Verfolgung durch die Schwyzer Polizei war schwierig. Und die einheimische Bevölkerung mied den Konflikt mit den Feckern. Deshalb dürfte es zum Zugeständnis des dreitägigen Gastrechtes für die Zigeuner in Gersau gekommen sein.

Nachfolgenden Personen ein herzliches Dankeschön für ihre wertvollen Beiträge:

Auf der Maur Hans, Ibach
Betschart Franz, Seewen
Blersch Albin, Seewen
Dettling Josef, Schwyz
Dettling Sepp, Brunnen
Gwerder Alois, alt-Kaplan, Muotathal
Gwerder Werner, Ibach
Holdener Josef, Ibach/Seewen
Horat Alois, Seewen
Horat Anton, Seewen
Horat Ernst, Seewen
Horat Hermann, Seewen
Inderbitzin Alois, Lützli, Seewen
Laimbacher Walter, Burg, Seewen
Schuler Edgar, Rickenbach
Rickenbacher Iwan, Schwyz/Brunnen
Schuler Paul, Seewen
Schuler Gery, Sattel
Vinzens Peter, Gersau
Von Rickenbach Toni, Sattel
Weber Karl, Seewen
u.a.

Einige Fecker sowie randständige Familien aus der Gegend des alten Landes Schwyz im Überblick.
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! (Die Nachfahren mögen dem Schreibenden die Erwähnung ihrer Vorfahren bitte verzeihen!)
Ergänzungen und Korrekturen bitte dem Verfasser mitteilen. DANKE!

Name:

Vorname:

Geboren:

Gestorben:

Typ. Merkmale:

Herkunft:

Anderrüthi

(Martin)?

   

Sagte immer „Ich kenn d’Lüüt scho!“ und meinte damit, er wisse, wo es etwas zu trinken gäbe

 

Badrun

     

Zog im Raum Arth umher

Bündnerland

Debon

Franz-Karl

1901

Fast 80- jährig in Arth

(Familie Debon nannten 14 Kinder ihr eigen! Die Mutter hiess ledig Landheer). Franz war ein ‚friedlicher Cheib’

Einsiedeln

Debon

Josef

   

Bruder von Franz-Karl. Er sass 6 Jahre im Gefängnis, weil er Fecker Sepp Tobler umbrachte, indem er ihm das Familienglück abschnitt. War lange Jahre in der Arbeitsanstalt im Kaltbach Seewen

Einsiedeln

Dober

Erwin & Frau Käthy

   

Verkehrten oft in der ‚Eiche’ in Immensee

 

Dossenbach

(Sepp)?

   

Rothaariger ‚Umefahri’. Viel im Rigi-Gebiet

Ursprünglich aus dem Zugerbiet

Ehrler-Freuler

Alois & Frau

   

Lebten lange Jahre in Wohnwagen beim ‚Krebsbächli’ im Seemattli Seewen.

Hatten immer 2-3 böse Hunde. Blutiger Streit mit Marty, genannt ‚Gallerer’

 

Feubli

     

Schirmflicker, Messer- und Scherenschleifer. Immer mit Tirolerhut unterwegs. Oft im Gebiet ‚Bernerhöhe’

Ostschweizer.

Ursprünglich aus dem Gebiet Grabs/Gams

Fegble

     

Verkehrte immer wieder auf der ‚Bernerhöhe’

 

Gantenbein

     

Kam im Muotathal vor

Könnte aus dem Glarnerland stammen

Gehringer

Herr & Frau

   

‚Aktiv’ im Raum Arth und im Gebiet Sattel

 

Gerzner

Albert &

Frau Katry

   

Oft im Raum Schränggigen & beim Alpenrösli Ingenbohl.

 

Gerzner

Ernst

   

Klein und mager, Kollege von Graf Baptist. Bruder von Gerzner Albert

 

Gerzner

Ignaz & Frau

   

Trug immer einen ärmelloser Länder und eine grosse Uhrkette. Logierte mit Frau zeitweise im Erli, Sattel

 

Gerzner

Franz

Etwa 1890 / 1895

 

Hatte 24 Kinder von 2 Frauen! War lange Zeit im Wisetli im Muotathal

 

Gerzner

Mathé & Frau

     

Einsiedeln

Graf

Alois & Frau

   

Mit Ross und Wagen unterwegs

 

Graf

Baptist, genannt

Badisteli, Badist usw.

9.1.1913

2.10.1969 in Seewen

Hausierer. Klein, mit Hund und handgezogenem Anhänger, ein typischer Fecker!

Geboren und gestorben in Seewen

Graf

Joseph

   

Vater von Baptist. Die Mutter von Baptist hiess Theresia Kindler

 

Graf

Andreas Hermann, genannt André

11.8.1905

1.1.1977 im Bürgerspital Zug, zuvor Bürgerheim Immensee und Bürgerheim Ibach

„De gross Graf“

Fremdenlegionär, ex-Mineur mit Silikose, daher im Winter im Lungensanatorium Walenstadt-Berg und Braunwald, immer mit Velo unterwegs

 

Graf

Berta

   

Evtl. Cousine von André Graf 

 

Graf

Heinrich

   

Vater von André

(Die Mutter von André hiess Karolina Müller)

 

‚Gritli’

     

War oft auf dem Tänsch in Ibach

 

Gruber

(eine ganze Sippschaft)

     

Seil- und Strickverkäufer, meist mit dem Velo unterwegs

Urnerland, ursprünglich aus Graubünden

Huser

Xaver

 

In den 1950er Jahren

Pfannen-Verzinner. Hatte einen steifen linken Zeigefinger. Zündete ein kantonseigenes ‚Euschli’ im ‚Fegfüür’ ob Kaltbach an und meldete dies in der Arbeitsanstalt Kaltbach in der Hoffnung auf ein neues ‚Euschli’…

 

Jud

     

Logierte oftmals beim ‚Ottenbach’ Goldau

 

Kappeler

Adolf

   

Schirmflicker. Leutselig, oft in der ‚Post’ und im ‚Hirschen’ Sattel…

Gebiet Sattel

Kappeler

Alois & Frau

 

Gestorben im Altersheim Altendorf in den 1960er Jahren

Zündhölzli- und Schuhnestelverkäufer. Schirmflicker. Oftmals im Bauschli auf dem Grosstein Ibach. Ein ‚frinä’ Fecker. „Chappeler isch mi Name, grüess Gott Frau. Ich ha Chellä… tüend Ier au öppis chaufe?“

Bürger von Altendorf

Kappeler

Hans

   

Schirmflicker

Gebiet Sattel

Kappeler

Karl

   

Guter Arbeiter, sauberer Kerl. War einige Jahre Knecht bei Dom. Linggi in ‚Linde’ Oberarth. Oft auch in Sattel

 

Kindler

Vater und Sohn mit Gattinnen

   

Mit Planwagen unterwegs, halfen manchmal mit, Eis auf Eisfeld Seewen machen

 

Kindler

Martin, genannt ‚Märtel’

 

Anfangs der 1950er Jahre

Ursprünglich bei der Bahn, über Mauer gestolpert im Furligässli ob Ried/Schwyz und sofort gestorben

 

Küenzli

     

Logierte oftmals beim ‚Ottenbach’ Goldau

 

Kunz

Otti

   

Gross und hager, ein typischer ‚Umefaahri’

 

Landheer

Alois (Langbei-Wysel) mit Frau

   

Mit 2 – 3 Ross und Wagen unterwegs. Hatte viele Kinder. Oft auf Seemattli Seewen im Gebiet Sattel

 

‚Lola’

     

Männliche & weibliche Person in einem.

Evtl. auch nur eine Fantasie-Figur

 

Lothenbach

     

Kleiner Mann, immer zu Fuss, ass liebend gerne ‚Hültschä-Gümmel’. Glich im Wesen Baptist Graf. Raum Goldau/Arth

 

Merle

Hans

1889

1961

Lediger, kinderloser Sohn von Melchior.

Ein ‚Schlänggel’

Ursprünglich aus Frankreich, in Ibach

Padrutt

     

Vater arbeitete bei der Rigi-Bahn

Vermutlich aus Graubünden

‚Ringgeler’

(hiess bürgerlich Steiner Anton)

 

1846

1909

Zog vorwiegend im Muotathal umher, war 50 Jahre ‚Brüggli-Geisser’ (Geisshüter), ledig. Hatte den Übernamen wegen seiner besonderen Hose

Ursprünglich aus einer alten Schwyzer Familie

Rüttimann

     

War ein ‚Gadenbesen-Binder’

 

Sigrist, genannt ‚Schindeler’

(Röbel)?

   

Zog umher und machte immer Holz-Schindeln für Ställe und Häuser. Daher der Übername.

War ein Gems-Frevler

Obwalden

Schuler

     

War Zündhölzliverkäufer und sagte immer „Ha nur nu es Rugeli“. Verlangte immer „es Rolleli wiise Fade“

Vermutlich aus dem Raum Rothenthurm

Stettler

Karl, (‚Kartsch’) und Frau

   

Super-Korber (Stettler-Chratten)! Hatten 5 ledig gebliebene Söhne (Kari, Xaveri, Viktor, Fridel und Seffel) und 1 Tochter. Letztere heiratete einen Capitelli und hatte zwei Söhne – Ercole 1922 und Ernst 1923. Wuchsen in Sattel auf.

Bürger von Sattel

Tobler

Josef-Kaspar, genannt Sepp

 

Verblutet im Wäldli im Herrenfeld bei Schwyz ca. 1957/58

Wurde von Josef Debon entmannt und starb daran. Nach einer Überlieferung war auch er ein Mörder. War von allen Feckern gehasst! War guter ‚Muulörgeler’

Aus der March

Wyss

Johann, genannt Schang

 

Anfangs 1970er Jahre

Mit steifem Bein, war oft in ‚Englismatt’ Rickenbach. „Giftiger Cheib“

Ibach

Wyss

Anton, genannt Toni

18.10.1897

6.5.1956 in Schwyz

Korber. Ein wahrlich typischer Fecker!

Gross und mager.  Sohn des Josef Anton und der Marie Elisabeth Tonini

Ibach.

Zuletzt wohnhaft gewesen im Bürgerheim Ibach

Wyss

Josef, genannt Sepp

23.1.1896

5.2.1966 in Walenstadt

Korber. Ein wahrlich typischer Fecker!

Klein und dick. Bruder von Anton. Er war Finanzverwalter, Bruder Toni hatte nie Geld!

Ibach

Zuletzt wohnhaft gewesen in kant. Heil- und Pflegeanstalt Waldhaus, Chur

Wyss

Viktor, genannt Thedori

 

Im Armenhaus (Steinen?) gestorben

Cousin von Toni und Sepp. Alleingänger. Der ‚saubere’ Wyss. War der wohl beste Korber! ‚Wohnte’ im Schuppen bei der Urmibergstrasse.

Trank einmal versehentlich Salzsäure!

Seewen

Zimmermann

Kaspar

     

von Vitznau

Nachfolgend die Liste ‚unserer’ Feckerfamilien:

 

Vorname:

Geboren:

Gestorben:

Typ. Merkmale:

Herkunft:

Feckerfamilie in Seewen

Vater und Familie

   

Im Sommer in Seewen, im Winter im Süden. Grosse Diskussion mit der Schulbehörde!

 

Familien Birchler

       

Einsiedeln

Familie Huser

Einer hiess Toni

   

Waren sehr gute Musikanten; Mutter am Bass!

 

Familie Kappeler August

     

Wurde vor vielen Jahrzehnten auf dem Grossstein Ibach sesshaft

Ibach

Familie Kessler

         

Familie Kindler

     

Wohnten in Baracke auf dem ‚Eigenwies'. Diese brannte ab, dann wurden auch sie sesshaft

Ibach

Familie Merle-Stettler
Melchior und Frau Josefina

 

Melk: 19.3.1865

Josefina:
5.2.1873

Melk: 
20.4.1946

Josefina:
26.10.1941

Hatten 10 Kinder.
Lumpenhändler, Beckeliverkäufer und Krughändler usw.

Ursprünglich aus Frankreich, geflohen im Hugenottenkrieg, zuerst in West-CH, dann nach Ibach

Auszüge aus dem Wortschatz des Schweizer-Jenischen (von Siegmund A. Wolf). Die (Schwyzer) Fecker benutzten Wörter daraus.

biberisch, fredsch kalt
blasen, schwächa trinken
Blig Kleingeld
Bräme Pfanne
brieme bezahlen
Barisol Schirm
Bruhans, Brünlig Kaffee
buglen tragen
bumsen fürchten
Butsch Most
butten essen
dalfen, dirchen, jalchen betteln
Dami Bett
deberen sprechen, reden
döberle   rauchen
Döberli Tabak
Döberlig Tabakpfeife
dupfen stechen, metzgen
Dupfer, Fetzer Metzger
fackle schreiben
fetzen abschneiden
Fisel Knabe, Bursche
Flemmlig Feuer
flenne weinen
flössle pissen
flutschig nass
Füklete, Funi Schnaps
Gaia Weib, Frau
Gambis Kind
Ganaschter Korb
Ganaschtermangerli Korbmacher
Gare, Rotel Wagen
gasget verheiratet
gätschig klein
gerblen erbrechen
Glis Milch
grandig gross
grimmig dick, reich, viel
Gritsche Laus
Grünlig Gras
gschwecht betrunken
Güschi Hut
Hanfa Hemd
Härtlig Messer
Joli Wein
kaspern verführen
Kies Geld
Kipp Hund
klingen musizieren
kluften kleiden
Kluftig Kleid
Klunte Hure
knobeln fluchen
knüsen kennen
Kohl Hunger
Kohldampf Hungerleider
krönen heiraten
Kröner Ehemann
Kröneri Ehefrau
Kübis Kopf
lagg schlimm, böse
Langohr Hase
Leisling Rad
Lieni Bauch, Magen
Luppera Uhr
lusen horchen
Menger, Schmelzer Verzinner
More Streit, Krach
muff zornig, böse
muffen stinken
Naglig Knochen
nieschen suchen, finden
nobis nichts
Nuddeli Kaffeeschüsselchen
nuttern sieden
Pari Vater
penne schlafen
Plam Bier
plättle, schuoffnen tanzen
Plöver Regen, Schnee
plövern regnen
punkisch schwanger
Putelia Flasche
Rame Messing
Rodel Familie
Rötlig Blut
Roteli Velo, Fahrrad
rotla fahren
Sabeni Seife
Schächer Wirt
schallen singen, schreien
scharanziren hausieren
Scharanzirer Hausierer
schenigeln arbeiten
Schige Schwester
Schinagel Arbeit
Schinlig Auge
Schix Mädchen (erwachsen, ehrbar)
Schixele Mädchen (klein)
schlau gescheit
Schlenglig Wurst
Schmelz Zinn
Schmöcker Nase
Schmung Butter, Fett
Schnalle Suppe
Schnibe Löffel
schniffen stehlen
Schroter Polizist
schummle betrügen
Schunt Dreck, Kot
schunten scheissen
Schwadler Lügner
spannen sehen
Spizerlig Weiden (zum Körbeflechten)
Stiel Schwanz
Strube Haar
Süesslig, Wisslig Zucker
Trappel Pferd
trappeln reiten
Triffler Bruder, Landreisender, Vagabund
tschanen gehen
Tschirunggali Kirschen
Tschugger Schwein
Tschumikitt Gefängnis
Tschurra Kartoffeln
verdupfen erstechen
verfunken verbrennen
verkümmern verkaufen
verplotzen umfallen
verschabern verstecken
Windi Tür
winznen töten
Winzner Mörder
Wissbiera Ei
Zäzlig Lumpen
Zausi Wolle
Zaschter Eisen
zupfen nehmen, holen
Zwicki Schere
Zwickifreier Scherenschleifer

Eine von Hans Auf der Maur, Ibach, zusammengetragene Liste mit weiteren Wörtern aus dem Jenisch-Vokabular:

basche kaufen
Bräme Pfanne
Brättli Zunge
brieme versuchen
Brisge, Brisgi Bruder, Schwester
Brunhans Kaffee
bschunte betrügen
Buchse Hose
butte essen
Chislig Stein
chlube rechnen
chnoble beten
Chracherlig Zahn
Chürbis Kopf
d’Böde Füsse
Dorme schlafen
fäbere schreiben
Fisel Knabe, Junge
flaadere  waschen
flötsche regnen, harnen
Fludi Wasser
Freier Jüngling
Gaje Frau
Gallach Pfarrer
Galline Henne, Huhn
Galm Kind
Gamisli Hemd
Gaschi Mann
Ginggis Katze
guffe schlagen
Gügeli Hals
Guris Schnaps
Gurti Messer
hinterkünftig hinten
jäble jammern
jellschmuse wahrsagen
Kluftig Anzug
lins de Gaschi! lueg de Maa!
lobi Geld
Lori lobi am Randi stier, kein Geld in der Tasche
lori nicht
Mammere Mutter
Metti Bett
mule töten
Patris Vater
Plämp, Plamp Bier
prieme zahlen
punggisch schwanger
Randi Tasche
Rotti Abend, Nacht
Ruech Bauer
Ruschi Streu
Schärieseli Kirsche
Schickse Mädchen, Dirne
Schigeli Mädchen
schinagle arbeiten
schmole lachen
schniffe stehlen
Schrändi Haus, Schulhaus
Schrändifuxer Lehrer
Schränzierer Hausierer
schränziere/n hausieren
Schunt Dreck
schwäche trinken
sichere kochen
Spreitlig Leintuch
Stänzerlig Vogel
Stinker Stall
Streiflig Strumpf
Strubi Haar
Stunggis Prügel
Süesslig Zucker
tibere, schmuse reden
tomusere schreien
toof schön
tschane gehen
verbasche  verkaufen
Wissbiire Ei, Eier
zueboole schliessen
Zünglig Brust

Anwendungsbeispiel:
„Redt de Sohn mit-em-ene andere Burscht“ heisst übersetzt:
„schmus de Fisel mit de andere Freier“

Verfasst von Hans Auf der Maur: 10.1.1986


Sie sind ausgestorben, die Schwyzer Fecker. Doch sie leben in unseren Erinnerungen weiter. André Graf, ein prominenter Vertreter seiner Gilde, mit einer typischen Handbewegung in Pose.


Die zwei wohl bekanntesten unter ihnen: die Gebrüder Toni und Sepp Wyss.


Scheren- und Messerschleifer, Korber und Pfannen-Verzinner: Fecker Baptist Graf (links im Bild, in jungen Jahren) gehörte auch der ‚Gilde’ an.


Fecker Baptist mit Handwagen und drei Hunden auf der Brücke der ‚S-Kurve’ zwischen Seewen und Ibach.


Baptist Graf mit seinem ständigen Begleiter.


Typisch Fecker: sie tranken mehr als dass sie assen. Hier ein Schnappschuss von Baptist, als er über den Durst trank…


Fecker Baptist mit Hund und ‚Bagasch’ hinter der Zementfabrik in Ingenbohl.


Zwei Cousins treffen sich: Baptist Graf und Andreas Graf, den man André nannte. Die Aufnahme entstand beim ‚Kanal’ zur Zementfabrik Hürlimann in Ingenbohl.


Als ‚Tagelöhner’ verdienten die Fecker ihr täglich Brot und Getränk. Dieses Bild entstand im Engiberg in Seewen beim Heuet. Es zeigt von links: zwei italienische Knechte, Pauli Blaser, André Graf und Xaveri Blaser.


Die schöne Brünette hatte es André Graf an einer Chilbi angetan…


André Graf war ledig, aber oft charmant. Zwar wurde ihm ein Kind nachgesagt, das aber bestritt er sogar auf dem Sterbebett.


Ein seltenes Bild: Fecker André Graf (rechts) war Katholik. Sein Firmgötti war Karl Bättig von der vormaligen Bierhandlung Bättig in Seewen. Die Firmung erlebte André am Tag dieser Aufnahme!


André Graf zu Besuch bei…?


André Graf (rechts) in einer Diskussion. Wohl wird er seinem Gesprächspartner von seinen vielen Abenteuern erzählen…


Passfoto Fecker Andreas Graf, mit Markenzeichen Béret.


Auch André Graf (links) verneinte nie ein Gläschen, so wie alle echten Fecker.


Ebenfalls ein sehr seltenes Bild: André Graf sitzt in einer privaten Küche (hier in Immensee) und trank einen Brunhans bzw. einen Brünlig. Fecker hatten ansonsten keinen Zutritt in Privat-Gemächer!


Was die zwei (links André Graf, rechts 'Muuser' Reichlin) einander zu erzählen hatten?


Die letzten Lebensmonate verbrachte André Graf im Altersheim Immensee.


Die Aufnahme entstand ebenfalls im Altersheim Immensee und zeigt André in seinem Zimmer.


André Graf in einem Park.


Ein Passfoto von André Graf in jüngeren Jahren.


Am Fecker-Treffen 1960 in Schwyz wohnte André Graf (rechts) live dem Anlass bei.


Am gleichen Treffen 1960: nochmals André Graf (rechts). Die Anlässe im Hauptort hatten aber rein gar nichts mit dem echten Fecker-Leben zu tun. Das Fecker-Leben wurde glorifiziert.


Vier Männer im Park. Ganz rechts André Graf.


Ebenfalls zwei ganz typische Jenische, die ab und zu im Muotathal anzutreffen waren und die Uebernamen 'Ringgeler' und 'Gantenbein' trugen:Seppli Waser (links) und Toni Mehr. Die Aufnahme wurde gemacht in Oberrealta-Cazis (GR).


Alois Kappeler. Er gehörte zur Kategorie ‚friedliche Fecker’.


Sie wurden oft verwechselt: Zigeuner und Fecker. Auf dem Bild ist eine grossköpfige Zigeunerfamilie an den Gestaden des Lauerzersees im Jahre 1928 abgebildet.


Ebenfalls eine Zigeunerfamilie: Die Nachfahren von Indern zogen viel weiter umher als ‚unsere’ Schwyzer Fecker.


Bei ‚Gallerers’ in abgebildeter ‚Behausung’ im Seemattli Seewen (nicht im Gebäude im Hintergrund!) legten die Fecker regelmässig einen ‚Marschhalt’ ein.


Nochmals die Behausung des Ehepaars ‚Gallerer’ in Seemattli Seewen. DA gab es immer Brünlig für die Fecker!


Sie erlebten die Fecker noch ‚hautnah’. Josef Holdener (links) aus dem Engiberg Seewen und Ernst Horat von der Rösslimatt Seewen. Auf der Rösslimatt hatten die Fecker nachts immer eine Bleibe im Stall.


Walter Laimbacher (Gilgmatt, Burg, Seewen), lernte das Korben von den Feckern Heinrich Graf und Franz-Kari Debon.


Nachstehend einige Reaktionen auf vorstehenden Fecker-Bericht, welche wir hier wiedergeben möchten:

Bemerkungen zu Fecker Ignaz Gerzner
Er wohnte im ‚Erli’ an der Steineraa in Sattel in einem kleinen Häuschen und hatte eine dicke Frau. Ignaz wurde von uns Kindern öfters geneckt. Ich könnte nicht sagen, dass er die eigentlichen Feckerarbeiten wie Schirme flicken, korben etc. betrieben hat oder nicht. Er nahm eher Gelegenheits-Arbeiten an, vielfach bei Bauern. An ein Ereignis kann ich mich als kleiner Bub aber noch besonders gut erinnern. 1927 – ich war gerade 3-jährig - wurde vis-à-vis unseres Hauses an der Kreuzstrasse wieder ein Haus gebaut. Da war der Ignaz mit einem anderen Sattler-Original (Josä-Kari) mit dem Aushub beschäftigt. Wir Buben waren da öfters als Zuschauer anwesend. Wenn dann einmal einer etwas zu nahe an den Ignaz herantrat, rief dieser lautstark: „Gang äwäg da, susch biss ich dir dä Grind ab!“
Wie er mit den anderen Gerznern verwandt war ist mir unbekannt, auch wann er gestorben ist, kann ich nicht sagen.

Bemerkungen zur Fecker-Familie Stettler
Die Stettler’s wurden 1851 in Sattel eingebürgert, weil sie sich zu diesem Zeitpunkt gerade in Sattel aufhielten. Der Bund verordnete dies so. Dazu gibt es eine Geschichte, die die alten Sattler oft erzählt hatten.
Eigentlich hätte das junge Feckerpäärli Stettler in Rothenthurm übernachten wollen. Es musste schon bei einem Bauern um eine Stall-Unterkunft nachgefragt haben, aber vergebens. Da die Rothenthurmer aber auf den Fecker-Einbürgerungsstichtag ihre Gemarken von Fahrenden frei haben wollten, schickten sie die Stettlers nach Sattel. Sie machten ihnen den Weiterzug leicht, indem sie von einem Volksfest berichteten, das in der Krone in Sattel stattfinden solle, wo es gratis Most und Schnaps gebe. Der Hintergrund war aber noch ein anderer: die Rothenthurmer fürchteten die Nachkommenschaft des noch jungen Paares…
Die Sattler mussten dann wohl oder übel die Stettlers einbürgern. Dennnoch kamen aber die Rothenthurmer zu ihren Jenischen. Zu später Stunde habe sich angeblich noch eine Sippe im Turä niedergelassen... Sie wurde eingebürgert und hatte unzählige Nachkommen, welche der Gemeinde noch langezeit hohe Kosten verursachte. Die eben in Sattel eingebürgerten Stettler, ich habe den alten ‚Kartsch’ noch gekannt, hatten fünf Söhne; Kari, Xaveri, Viktor (genannt Vikel), Fridel und Seffel. Auch eine Tochter nannten sie ihr Eigen. Diese aber kannte ich nie. Die Söhne blieben alle ledig und brachten sich schlecht und recht durch, die Tochter heiratete einen Bähnler im Baselbiet: Capitelli mit Namen. Die genannte Tochter der Stettlers hatte zwei Söhne, Ercole (geb. 1922) und Ernst (geb. 1923). Sie gingen mit uns in die Schule, da sie bei den Grosseltern im Sattel aufwuchsen. Ercole kam sofort nach der Schule fort; er war ein ruhiger, guter Schüler. Das konnte man von Ernst nicht sagen. Dieser arbeitet während des Krieges in verschiedenen Festungswerken, wusste öfters nicht was „Dein und Mein“ war und wurde anfangs der 1950er Jahre des Landes verwiesen. Durch seinen Vater hatte er die italienische Staatsbürgerschaft erlangt.
Somit sind die Sattler Stettler ausgestorben und haben der Gemeinde praktisch keine Kosten verursacht.

Übrigens: Vater Kartsch war ein selten-guter Korber. Stettler-Chratten gelten heute noch als die Besten ihresgleichen und sind sehr begehrt!

Toni von Rickenbach, Sattel, 10. Mai 2005

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Karl Schuler, Immensee, 18. Mai 2005

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Bemerkung zu Baptist Graf

Angesprochen auf die Firmung seines Cousins André Graf in hohem Alter, wann er – Baptist – denn eigentlich gefirmt worden sei, meinte dieser trocken: „Dänk wo-n ich i dr Sekundarschuel gsi bi!“.

Hermann Horat, Seewen, 25. Mai 2005